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Artikel vom 07. Februar 2018

Notfallausweis: sinnvoll oder nicht?

In der Region spielt er keine große Rolle - auf Reisen und für Kinder kann er nicht schaden

Im Notfall zählt jede Sekunde. Kann ein Notfallausweis Rettungskräften und Klinikpersonal helfen, Zeit zu sparen und Leben zu retten? Foto: people collection

Notfallausweis: was ist das, wozu dient er, ist er nötig oder ist er überflüssig? Experten in und außerhalb der Region zu ihren Erfahrungen.

Stichwort "Notfall-Ausweis": "Nur sehr wenige Menschen in Deutschland führen einen Notfallausweis mit sich", lautet der erste Google-Treffer , "doch im Notfall kann er zu Ihrem Lebensretter werden", so der Bundesanzeiger-Verlag.

"Der Notfall-Ausweis enthält alle wichtigen Informationen für Helfer, um im Notfall schnell und richtig zu handeln", so die Techniker-Krankenkasse unter dem Stichwort.

Ein Europäischer Notfallausweis könne nach Unfällen zum Lebensretter werden - nicht nur für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Warum ein Europäischer Notfallausweis ins Portemonnaie gehört, erfährt man über http://www.apotheken.de: Der europäische Notfallausweis enthalte medizinisch relevante und manchmal sogar lebenswichtige Informationen. Auffällig gelb und somit leicht zu finden soll er professionellen Ersthelfern am Unfallort eine optimierte Versorgung ermöglichen. Der Ausweis besteht aus zwölf Seiten, enthält ein Lichtbild und die persönlichen Daten wie Name, Geburtsdatum und Adresse, dazu sind alle wichtigen Informationen über die Gesundheit des Inhabers vermerkt: Blutgruppe, Schutzimpfungen, chronische Erkrankungen, Name und Dosierung einzunehmender Medikamente sowie mögliche Allergien. Zusätzlich enthält der Europäische Notfallausweis die Kontaktdaten der Personen, die in einem Notfall zu verständigen sind.

Ein zu dramatisches Szenario? Das werde sich im Falle eines Falles schon irgendwie regeln? "Richtig, aber vielleicht nicht im Sinne des Opfers und seiner Familie", so der Notfallexperte Hans Walter Schäfer. Etwa, wenn keine Vollmachten vorliegen: Dann springe nämlich, so Schäfer, nach Gesetz ein (fremder) Betreuer ein und treffe fortan alle Entscheidungen für den Verunfallten. Seiner Meinung nach gehöre ein Notfallausweis in jede Geldbörse, denn er enthalte wichtige Hinweise für die Helfer: Name, Kontaktperson - zum Beispiel Ehepartner oder Eltern, Vorerkrankungen, Medikamente und nicht zuletzt, welche Verfügungen vorliegen.

Die Ausweise gebe es von verschiedenen Organisationen. Einen besonders kompakten und sofort einsetzbaren hat Schäfer selbst entwickelt - kostenlos im Internet erhältlich unter "Wenn-Traenen-trocknen.de".

In manchen Apotheken könne man den Ausweis laut http://www.apotheken.de für etwa drei Euro auch bekommen; auf der Homepage mancher Krankenkassen - zum Beispiel bei der TK, lässt sich sogar kostenlos herunterladen.

Telefonische Anfragen bei zwei großen Apotheken in der Region Ludwigsburg ergeben: Bei beiden ist ein solcher Ausweis nicht erhältlich.

"Notärzte suchen routiniert nach dem Ausweis", so Notfallexperte Hans Walter Schäfer. Ist das auch in der Region Ludwigsburg so? Wie wichtig ist der Ausweis denjenigen, für die er in erster Linie gedacht ist: den "Rettern" und Versorgern am Unfallort oder in der Notaufnahme?

Arnim Bauer, Pressereferent des DRK in Ludwigsburg: "Wir suchen nicht zuerst nach Ausweisen, sondern nach Symptomen und danach, inwiefern der Patient akut gefährdet ist. Ganz abgesehen davon, findet man einen solchen Ausweis auch nicht unbedingt gleich. Ein Notfallausweis spielt bei uns keine wesentliche Rolle - außer bei Vorerkrankungen." Bei Bewusstlosigkeit würden Rettungskräfte ohnehin einen Zuckertest machen - und auch die Blutgruppe prüfen, selbst wenn sie zum Beispiel im Blutspendeausweis notiert sei, so die Erfahrung von Arnim Bauer. "Wenn ein Notfallausweis Sinn macht, dann in der Klinik. Wir jedenfalls suchen bei einem Notfall nicht explizit danach - insofern ist er für uns nicht von großer Dringlichkeit."

Doch auch in der Klinik scheint man - zumindest in der Region - einen Notfallausweis nicht für relevant zu halten, wie unsere Anfrage an die dafür zuständigen Chefärzte im Klinikum Ludwigsburg, Professor Dr. Oliver Hautmann, Ärztlicher Direktor des Zentrums für interdisziplinäre Notfallmedizin am Klinikum Ludwigsburg und Professor Dr. Götz Geldner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, ergab. "Im Alltagsbetrieb der Zentralen Notaufnahme spielt der Notfallausweis keine Rolle. Es gibt lediglich einzelne Patienten, die in eigener Sache die Informationen über Allergien, Organspendestatus und Patientenverfügung gebündelt vorlegen können", so Professor Dr. Oliver Hautmann. "Ich halte den für 2019 in Baden-Württemberg vorgesehenen digitalen Eintrag der oben genannten Informationen auf der Versichertenkarte ebenso wie Herr Prof. Geldner für den absolut richtigen und zeitgemäßen Weg."

Bei Reisen zumindest scheint das Dokument seine Richtigkeit zu haben: "Die Barmer in Ludwigsburg rät chronisch Kranken, Allergikern und Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen dazu, bei Reisen den Europäischen Notfallausweis im Gepäck zu haben", so Arndt Kühnle, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Ludwigsburg. "Bei einem Unfall sind die Opfer bisweilen nicht ansprechbar und können keine Auskunft über Vorerkrankungen oder eine Medikamentenunverträglichkeit geben. Genau diese medizinisch relevanten und manchmal sogar lebenswichtigen Informationen enthält der Europäische Notfallausweis, wodurch er den Rettungskräften am Unfallort eine optimierte Versorgung ermöglicht." Und: "Auch Kinder und Jugendliche, die häufig keine anderen Dokumente dabei haben, anhand derer man sie identifizieren könnte, sollten den Europäischen Notfallausweis mit sich führen, damit im Falle eines Falles die Eltern schnell benachrichtigt werden können", so Kühnle weiter. Neben der Bezugsquelle Apotheken und Bundesanzeiger-Verlag gibt er noch einen weiteren Tipp, wo Interessierte einen solchen Ausweis beziehen könnten: beim Hausarzt.

Fazit: Auch wenn der Notfallausweis in der Region keine besondere Rolle spielt - auf Reisen und für Kinder und Jugendliche kann er nicht schaden.

VON INGA STOLL





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