Kombinationsauflage 123.000

DIE RUNDSCHAU
WOCHENBLATT für den Wirtschaftsraum Bietigheim-Bissingen, Tamm, Asperg, Markgröningen, Vaihingen/Enz, Bönnigheim und Brackenheim.
STADTANZEIGER für Sachsenheim und Bönnigheim sowie für den gesamten nördlichen Teil des Landkreises Ludwigsburg.
Wochenblatt für Bietigheim-Bissingen.
  23.08.2017, 17.27  Uhr
Anzeigen: Telefon (0 71 42) 403-555  ·  Fax (0 71 42) 403-125 
 

 

Kirchheim, 09. August 2017

Der König ist vom Thron gestoßen

Ein Blick auf die Beliebtheitsskala der Apfelsorten zeigt eine Trendwende

Die Apfelernte läuft. Foto: Ingrid Wagner

Heuer ist die Apfelernte bereits in vollem Gang. Die Sortenauswahl ist in der Region groß, doch die "Apfelhitliste" hat sich landesweit verändert.

Sie heißen Jonagored und Jonaprince und sind die Kronprinzen ihres angestammten "Vaters" Jonagold. Der behauptet sich zwar nach wie vor in der Spitzengruppe der Apfelsortenhitliste, verliert aber buchstäblich an Boden. Jonagold-Äpfel tragen inzwischen nicht mehr das Krönchen der beliebtesten und damit meist angebauten Apfelsorte. Auf nur noch 1276 Hektar, was einem Anteil von 13 Prozent der Gesamtanbaufläche entspricht, wachsen Jonagold-Äpfel. Unangefochtener Spitzenreiter im Südwesten ist der Elstar mit 20 Prozent Flächenanteil (1977 Hektar). Das geht aus der diesjährigen Baumobstanbauerhebung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg hervor, deren Ergebnisse zum Wochenstart veröffentlicht wurden.

Arrivierte Sorten wie Idared und Golden Delicious haben das Nachsehen und sind aus den Top Ten der Sortenhitliste rausgepurzelt. Soweit der landesweite Trend. Regional sieht das doch ein bisschen anders aus. Bei der Obsthalle in Kirchheim ist man froh um den Golden Delicious. Er gilt als eher wetterfest und habe sowohl die eisigen Nächte im April als auch die Hagelkörner vor rund zwei Wochen weitestgehend überlebt, berichtet Christel Braun, die gemeinsam mit Michael Nollenberger den Verkauf leitet. Dennoch rechnen die Genossenschafter der Obsthalle mit einem Ertragsausfall von etwa 60 Prozent.

Das Frühjahr war recht warm, so dass viele Bäume früher Blüten entwickelten. Parallel gab es einige frostige Nächte, wodurch die Blüten noch längst vor den Eisheiligen erfroren sind. Dass durch die Wetterkapriolen dennoch nicht alle Früchte zerstört wurden, liege an zwei Faktoren, erklärt Braun. Zum einen hätten die Bäume auch nach der "Eiszeit" neue Blüten getrieben, die dann verschont geblieben waren, und zum anderen variiere der Betroffenheitsgrad je nach geografischer Lage. "Unsere Erzeuger, die unten im Tal Felder bewirtschaften, waren weit mehr betroffen als die auf der Höhe", so Braun.

Etwas weniger warme Temperaturen hätten den Erntebeginn verzögern können, doch in diesem Jahr hat das Obst-Einholen bereits Ende Juni begonnen. Laut Statistischem Landesamt beginnt die Apfelernte mit Delbarestivale. Christel Braun berichtet Ähnliches. Noch früher in den Kirchheimer Obsthalle-Kisten landen zum Beispiel die Äpfel der Sorte Piros. Dann folge der nahtlose Übergang zum Delbarestivale, "der besten Frühsorte", wie Braun findet. Parallel holen die Kirchheimer auch den Zari vom Baum. Diese Mischung aus Delbarestivale und Elstar ist Brauns Geheimtipp. Letzterer wird demnächst eingesammelt, dann folgt die "Gala"-Vorstellung. Der kleine rote Apfel klettert auf der Beliebtheitsskala immer weiter nach oben und rangiert laut Statistischem Landesamt bereits auf dem Bronzeplatz. Außerordentlich populär sind nach wie vor auch die ganz späten Sorten Braeburn und Fuji, mit denen die Apfelernte traditionell endet, Reifezeit: Ende Oktober.

Wann genau die Früchte vom Baum geholt werden sei in jedem Jahr verschieden, berichtet Christel Braun. Doch der Trend gehe dahin, dass zumindest das Ende nach vorne rutscht. Noch vor 20 Jahren hätte man zu Muttertag Blütenfest gefeiert, erinnert sich Braun - heutzutage sind, wie in diesem Jahr geschehen, zu Muttertag viele Blüten bereits erfroren.

Besonders gelitten hat der Topas. Der hatte zuletzt fette Jahre, doch 2017 fällt die Ertragsmenge viel geringer aus. Ruck zuck seien sie ausverkauft, so Christel Braun. Nach Ansicht der Genossenschafterin in der Obsthalle ist der Topas eigentlich eine ganz dankbare Sorte, weil sich diese Äpfel bis zur neuen Ernte hielten - wenn es denn genügend gebe. Gleiches gelte für den angestammten Jonagold. Es komme hin und wieder vor, dass die Kunden in den Sommermonaten angebotene Jonagold-Äpfel aus neuer Ernte vermuteten. "Aber Pfeifendeckel", sagt Christel Braun. Oft seien das dann Früchte aus der vergangenen Saison, die sich in entsprechend guter Lagerung einfach so lange frisch gehalten hätten. Andere Sorten wie etwa der Boskop eigneten sich dazu nicht und bekämen schon im Februar eine sogenannte Fleischbräune.

Wann die Erntezeit 2017 tatsächlich enden wird, lasse sich auch zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer voraussagen, meint Braun. Sie tippt auf Ende Oktober.

VON SANDRA BILDMANN





  Anzeigenannahme

Druck- und Verlagsgesellschaft Bietigheim mbH

 

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

 

Tel.: 07142 / 403-0

Fax: 07142 / 403-125

 

Mail an Rundschau

© Druck- und Verlagsgesellschaft Bietigheim mbH